Vom Traum(platz) zum Albtraum(platz)

Nächster Tag: Weiter Richtung Soomaa Nationalpark. Soll schön sein dort. Wir stehen perfekt für den Start in eine Wanderung im Soomaa Nationalpark.

Auf einem Campingplatz, der eine private Wiese ist mit einem Häuschen mit einem Klo und einer Dusche. Außer uns ist nur noch eine Schweizerin im Womo und ein niederländischer Camper da. Dann reicht das auch.

Unser Gastgeber ist ein Bauer, der uns genau erklärt hat, von welchen Plätzen es bei Regen eher schwierig wird, wieder weg zu fahren und dass bei Sturm nicht so gut ist mit dem Womo unterm Baum zu stehen. Wir wundern uns zwar, warum er das sagt, aber dann zeigt er uns sorgenvoll seine norwegische Wetterapp.

Schwerste Unwetter mit Unwetterwarnung im Anmarsch ab mittags.

Ok, also nicht zu spät aufstehen, damit wir wenigstens noch ne kleine Wanderung schaffen und dann ohne Stress einen nächsten Platz, nicht im Wald und nicht Wiese , suchen und finden.

Aus „ab Mittag“ wurde „schon vormittags“. Wir knicken die Wanderung und damit den ganzen Nationalpark (wegen im Wald stehen und so)

Und falls es doch so schlimm wird wie angekündigt, kaufen wir sogar noch „das nötigste“ ein. „Krisenmanagement“. Wie die Klopapierkäufe bei Corona. 

Gegenüber vom Supermarkt holen sie an einer schönen Kirche gerade x Flaggen ein und tragen sie in die Kirche.

Neugierig wie wir sind, schauen wir nach und fragen sie.

Sie breiten die Flaggen jeweils auf den Kirchenbänken aus, um sie zu trocknen und vor dem aufkommenden Sturm (?!) zu schützen. Scheinen hier alle ernst zu nehmen. Wetterbericht im Radio können wir ja leider nicht hören.

Aber wir merken dann unterwegs, dass Petrus ernst macht. Es ist als ob über uns einer seine Gießkannen ausschüttet.

Nachdem wir schon den Nationalpark geknickt haben und die Lage hier echt ernst zu sein scheint, verwenden wir heute große Sorgfalt bei der Platzwahl:

1. Nicht unter Bäumen, was bei RMK Plätzen schwierig ist, denn die werden von der FORSTbehörde unterhalten.

2. Nicht auf ner Wiese, aus der wir am nächsten Morgen nicht raus kommen.

Wir finden den perfekten Platz. Neben einem Vogelbeobachtungsturm, direkt am Meer. Schotter. 

Ein anderes Wohnmobil (hinterher 2).

Der Regen hat am späten Nachmittag nachgelassen und wir können sogar eine Mini- Wanderung, natürlich mit Regenhose machen ohne groß nass zu werden.

Durch den Wald hin…

… und am Meer zurück.

Eine Kunst-„Installation“, deren Sinn uns nicht erschließt, weil wir wegen Sturm nichts hören. Soll (auf Knopfdruck sind die Lämpchen angegangen und z. T. rot geworden und Vogelstimmen waren (nicht) zu hören) darstellen, wie viele Vögel vom Aussterben bedroht sind. 

Schade, dass wir das nicht verstehen und erst im trockenen Wohnmobil die Tafel übersetzen können. 

Bis zum schlafen gehen ist alles normal. Während des Zähne putzens kommt ein Mofa o. ä. den Weg runter, wäre mir gar nicht aufgefallen, aber er macht das Licht beim Rollen aus. Komisch. 

1 Minute später hauen welche mit den Händen ans Wohnmobil. Drei vier mal, dann bei den Nachbarn und verschwinden. Scheiße! 

Bleiben? Fahren? 

Gerd steigt aus, schaut, ob man am Wohnmobil was sieht und trifft einen der beiden Nachbarn, der genau das gleiche tut. 

Die Männer beschließen, dass es sich um Heimfahrer des Festes, das in der Nähe stattfand handelt und die nun daheim sind und wir in Ruhe schlafen können. 

Leider falsch. 

Wir gehen ins Bett, ca. ne halbe Stunde nach dem ersten Mal das gleiche wieder. Fäuste am Wohnmobil, der Nachbar leuchtet mit der Taschenlampe aus dem Fenster, 2 Männer rennen weg. 

An Schlaf nicht zu denken. Es ist 1 Uhr. 

Wir bleiben, wohin denn auch? Es stürmt wie bekloppt und die Anforderungen (keine Wiese und nicht unter Bäumen): wie sollen wir nachts was finden? 

Als es wieder still ist, fahren wir zur Not doch von den Keilen runter und geht Gerd raus (ich hab Blut und Wasser geschwitzt), um sie rein zu holen. Wir hören einen Pfiff. Sturm, Regen, Angst. 

Und tatsächlich, wieder so ne halbe Stunde nach dem letzten Mal kommen sie und hauen dermaßen mit den Fäusten auf unser (und die anderen) Wohnmobile ein, dass wir es nun wirklich mit der Angst zu tun kriegen. 

Wir fahren mit (extremem) Herzklopfen die 100m bis zur Hauptstraße hoch. Alles gut gegangen. 

Unterwegs, nur weg von hier, suche ich bei Park4Night (keine Bäume, keine Wiese!) Grobe Richtung Süden nach Riga. 

Und finde was. Es ist 2:45 Uhr und wir erschrecken das hier stehende Wohnmobil bestimmt sehr. Aber wir legen uns hin, ohne zu wissen, wo wir hier sind und schlafen schlecht bis gar nicht.

Nicht nur wegen dem Schreck, sondern dazu noch wegen dem Sturm, der echt heftig ist.

Um 5 Uhr drehen wir das Womo um 90°. Die Fahrradhülle droht sich los zu reißen, beobachtet von mir, schlaflos, durch das Heckfenster. 

Am Morgen stehen wir früh auf und sehen, dass der Platz echt gut ausgesucht war. 

Meerblick zum Frühstück.

Nach einer Inspektion des Wohnmobils, ob wir Schäden sehen und nun statt Riga zur Polizei in Pärnu fahren, geht’s, Gott sei Dank ohne Polizeibesuch weiter Richtung Riga. Überall liegen Zweige oder ganze Bäume auf der Straße. Wahnsinn! Muss das gewütet haben. 

Die Ostsee sieht auch anders aus als gestern. 

Überall hört man Motorsägen, wir sehen im vorbei fahren wie sie einen Baum aus einer Stromleitung sägen, die über einer Bahnlinie verläuft. Emsiges Treiben. 

Wir überqueren fast unbemerkt die Grenze und sind nun in Lettland. Mist, Pfandgut aus Estland nicht abgegeben. 

In Riga wären wir gar nicht erst zum Campingplatz gekommen, wenn uns nicht ein netter Mann, als wir ratlos vor einer Baumsperre standen, angeboten hätte, hinter ihm her zu fahren, er habe das heute früh schon „entdeckt“ wo das geht. 

So empfängt uns Riga. Herzlich willkommen? Holzlich willkommen?

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