Thiers, die Messerhauptstadt und Cournon d’Auvergne, die Stadt mit dem schlimmsten Campingplatz, den ich je gesehen habe. Da kann einem schon mal der Gedanke an Messer… „couteau ouvert“ (Insider für Stefan)
Der Tag beginnt schön.
Thiers war und ist DIE Messerhauptstadt und 80% aller in Frankreich hergestellten Messer werden immer noch hier gefertigt.
Nach einem Frühstück am Lac d’Aubusson, bei dem wir vorübergehend Sonne suchen und dafür einen weiten Weg mit unserem Teller usw zurück legen, geht’s nach Thiers

Überall sind hier Messergeschäfte, alles familiengeführte Läden, die ihr Handwerk in kleinen Werkstätten ausführen.

Sogar auf der Uhr, die um 12 Uhr läutet, „sitzt“ ein Messerschmied. Hab ich leider erst beim 10 Glocken- äh Messerschlag begriffen, was da oben abgeht.
Aber natürlich waren früher florierende Fabriken, von denen nur noch Industrieruinen als Fotomotive wie lost places übrig sind.


Was man auf den Fotos nicht sieht: es ist eine Stadt in den Hang gebaut, wir haben Mittag, es sind über 30 Grad, wir haben oben geparkt, die Industrieruinen sind UNTEN am Fluss und wir müssen hinterher wieder hoch.
Ne Kirche gibt’s natürlich auch


Kleine Gassen

N Escape room, nicht einladend, sondern eher gruselig, finde ich

Puh, war das anstrengend… Aber wir können ja nicht warten, bis es kühler wird, nur weil wir Thiers anschauen möchten.

Jedenfalls sind wir völlig k.o. und gehen auf Stellplatzsuche. Vielleicht sind wir ein bisschen wählerisch, aber der eine ist tatsächlich belegt, 5 Plätze, anscheinend von „Dauercampern“ = Urlaubern belegt. Der nächste n öffentlicher Parkplatz zu nah an der Hauptstraße „da vergnügt sich bestimmt abends die Dorfjugend“.
Zähne knirschend steuern wir einen gut bewerteten Campingplatz an. Die Dame am Empfang ist die erste, die wir treffen, die uns echt unsympathisch ist… Ein Omen?

Es ist genug Platz da, wir suchen uns einen aus und stellen dann fest, dass wir gefühlt die einzigen richtigen Camper /Reisende sind.
Die Franzosen haben hier anscheinend ihr Wohnmobil für den Sommer oder das ganze Jahr abgestellt (kostet 500€ für den Sommer hab ich recherchiert) und kommen nun nur ab und zu mal vorbei, weswegen der Platz aussieht wie bewohnt, aber fast leer ist.
Das hintere Waschhäuschen ist geschlossen und wird wohl nicht wieder aufgemacht.
Hähne sind schon abmontiert usw.

Ok, vorne ist ja ein funktionsfähiges.
Der Gang zum See (ich erinnere: Thiers bei über 30 Grad am Vormittag) endet enttäuschend: Baden verboten, wahrscheinlich irgendwelche Algen. Jedenfalls halten sich alle brav dran und wir auch… Mist

Der Campingplatz liegt auf einer Halbinsel zwischen See und Fluss (hören wir rauschen, wie romantisch). Leider sind nicht alle in romantischer Stimmung. Hinter dem Campingplatz – Zaun, aber ebenfalls direkt hinter der Hecke neben uns, diskutieren aufgeregt mehrere Männer. Über Stunden. Thema bzw. Themen bleiben uns verborgen wegen Sprachbarriere, aber nach ner Weile erkennen wir das Alpha-Männchen, den Ruhigeren… Um 22.30 Uhr auf m Weg zum Zähne putzen beschließen wir umzuziehen auf den vorderen Platzteil, wo es ruhiger ist, weil ja die meisten Wohnmobile verwaist sind.
Und gehen nochmal zum See, der uns wenigstens ein schönen Panorama bietet.

Am nächsten Morgen ergreifen wir die Flucht. Dieser Sch… Platz ist außerdem der teuerste, den wir bisher aufgesucht haben, 26,80€ ohne Strom. Ich hatte extra gesagt „pas d’électricité“. Und später nochmal „sans électricité“ und auf die Frage der „netten Dame“, sie war inzwischen auf englisch gewechselt „without electricity“ „YES“.
Der Preis kam mir zu teuer vor, ich hab die Preisliste nochmal studiert und zusammen gerechnet, dass es genau die 5€ für Strom zu viel waren, aber weil ich soooo wütend war und meine Französisch – Sprachfähigkeit für eine Wut-tirade nicht ausreicht, sind wir einfach nur geflüchtet… „COUTEAU…“
Bewertung habe ich direkt im Auto verfasst. Wenn ich sie lesen würde, würde ich nicht zu diesem Platz fahren…
Nächste Nacht wird besser, soviel wissen wir jetzt schon…